Purzelbaum in Richtung Schweinfurt
von Michael Laages
Heidelberg, 18. Februar 2012. Der Abend hat noch gar nicht begonnen, da sind schon die zauberhaftesten, verstörendsten Begegnungen möglich mit einem Maß von Fremde, das von nun an und für den Rest vom theatralischen Exkurs Thema bleiben wird. Sonderbare Typen begegnen der Theaterkundschaft – sauber, ordentlich, geradezu chic, freundlich und zuvorkommend in jeder Hinsicht; aber er redet wirklich vollkommen zusammenhangloses Zeug, der junge Mann, der sich da gerade auf dem Herrenklo erleichtert hat. Seine Worte sind durchaus zugänglich, ihr Sinn aber nie – oder verstehen wir nur nicht die (vielleicht) poetische Grammatik, die das Geplapper formt? Na, da müsse er ja wohl noch ein wenig Text lernen, pflaumt ihn ein Theatergänger an – und der Junge fängt mit größter Selbstverständlichkeit von vorne an, will offenkundig erklären, was und wie er spricht und denkt. Wir werden ihn nie verstehen – Hans Prinzhorn, 1886 im westfälischen Hewer geboren und 1933 an Typhus gestorben, hat Leute wie ihn verstanden. Ein bisschen wenigstens.