Die Hamletmaschine - Nava Zukerman überschreibt in Krefeld Heiner Müllers Shakespeare-Überschreibung
Wir sind Horatio
von Sascha Westphal
Krefeld, 7. Dezember 2018. "DIE LEICH IST EINES GROSSEN / GEBERS VON ALMOSEN". Erst die Pause zwischen ihnen, möglichst lang, eröffnet diesen beiden Versen aus dem ersten Bild von Heiner Müllers "Die Hamletmaschine“ den Horizont, den sie in äußerster Verknappung umreißen. Der Tote war ein Großer und damit zwangsläufig einer, der denen, die zu ihm aufgeschaut haben, nichts als Almosen gegeben hat. Doch mehr wollen diese am Ende gar nicht. Ihnen reicht es eigentlich schon, aus der Ferne am Leben eines Großen teilzuhaben, auch wenn er für sie auf immer unerreichbar sein wird. Genau das macht sich die Witwe des Großen, die Königin Gertrud, in Nava Zukermans Inszenierung zunutze. Das Saallicht ist noch an, die gedämpften Gespräche der Zuschauerinnen und Zuschauer noch nicht verstummt, da wendet sich die von Crescentia Dünßer verkörperte Königin an das Publikum. Sie verteilt Rotwein und spricht alle als ihre Gäste an. Eine Große gibt sich jovial und volksnah, gewährt einen Blick hinter die Kulissen ihrer Macht, die sie so festigt. Wer aufschaut, wird nicht Hand anlegen. So bleibt alles, wie es ist.