Ein Fünkchen Wahnsinn
von Georg Kasch
Berlin, 16. Januar 2016. Irgendwie hat das ja immer noch was Skandalöses, wenn ein 80-jähriger Mann, so gebildet, erfolgreich und charmant auch immer, sich in eine junge Frau von Anfang Mitte Zwanzig verliebt. Und umgekehrt. Was er von ihr will, steht außer Frage. Aber sie von ihm? Sicherheit? Luxus? Oder die geistige Anregung, wie Inken Peters in Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang“, uraufgeführt 1932, behauptet? Die Familie des gelehrten Verlegers Matthias Clausen, der sich in die junge Kindergärtnerin verliebt, jedenfalls findet die Frühlingsgefühle des Patriarchen gar nicht lustig. Vor allem, weil er, um sich ganz dem neuen süßen Leben zu widmen, die Firma verkaufen will – Grundlage des allgemeinen Wohlstands. Am Ende ist der Alte so gut wie entmündigt, da hilft ihm als Marc-Aurel-Fan nur der Griff zum Gift.