Schauspielhaus Bochum | nachtkritik.de

Das Leben als biblische Baustelle

von Andreas Wilink

Bochum, 8. Oktober 2021. Der Teufel sitzt bereits beim Abendmahl – der Hintergrund der Bühne im Schauspielhaus Bochum abgehängt mit einer Baustellen-Plane – und lässt sich's schmecken. Nicht für lange. Schon klappert die Irrenhauswärterin mit den Schlüsseln. Der Teufel hat auch das erste Wort. Das, was er sagt, könnte Jesus im Munde geführt haben, vielleicht in jenem Augenblick auf Golgatha, als ihm entfuhr: "Eli, Eli, lama sabachthani" (Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen). Der Teufel, der Woland heißt und undercover in Moskau erscheint, räsoniert darüber, "wie der Mensch etwas lenken kann, wenn er – ganz zu schweigen von seiner Unfähigkeit, einen wie auch immer gearteten Plan für die lächerlich kurze Frist von nur, sagen wir, tausend Jahren zu erstellen – nicht in der Lage ist, seinen eigenen morgigen Tag im Voraus zu verwalten?". So fühlt Luzifer sich in der Pflicht, es zu richten.


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