Hohlköpfe mit und ohne Migrationshintergrund
9. Oktober 2017. Der Berliner Friedrichstadt-Palast musste am Samstagabend, den 7. Oktober 2017, auf Grund einer Bombendrohung geräumt werden. Das berichten diverse Berliner Medien, darunter der Tagespiegel.
Unmittelbar vor Beginn der Abendvorstellung habe ein anonymer Anrufer über das Callcenter des Theaters mit einer Bombe gedroht. 1700 Gäste mussten den Berichten zufolge daraufhin das Gebäude verlassen. Nachdem die Polizei den Fall untersucht jedoch für unbedenklich befunden hatte, konnte die Vorstellung mit einstündiger Verspätung beginnen. Nun werde gegen Unbekannt wegen Androhung einer Straftat und Störung des öffentlichen Friedens ermittelt, wie der Tagesspiegel Friedrichstadt-Palast-Sprecher André Puchta zitiert.
Ob die Bombendrohung im Zusammenhang mit der Diskussion um die Äußerungen des Intendanten Berndt Schmidt gegen die AfD und ihre Wähler steht, ist laut Tagesspiegel bisher nicht klar. Schmidt hatte sich in einer öffentlich gewordenen Rundmail an seine Mitarbeiter*innen nach der Bundestagstagswahl von Theatergästen distanziert, die AfD wählen und den Rechtsruck in Ostdeutschland beklagt: "Wir werden uns künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potentiellen Kunden im Osten abgrenzen und von Hohlköpfen mit Migrationshintergrund selbstverständlich auch. Ich will all deren Geld nicht", wird aus dem Schreiben zitiert. Der Friedrichstadt-Palast repräsentiere den "anständigen Osten", "egal ob in Beirut, Bautzen oder wie ich in Bruchsal geboren". Daraufhin erhielt der Intendant den Berichten zufolge etwa 250 Hassmails, darunter auch Morddrohungen.
Auf Schmidts Angebot an Wähler der AfD, bereits gekaufte Karten umzutauschen, reagierte der Berliner Landesverband einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge mit einer Verlosung von zehn Theaterkarten für den Sonnabend. AfD-Sprecher Ronald Gläser äußerte sich laut Bericht zufrieden, als kurz vor Beginn der 'The One'-Show am 7. Oktober 2017 auch die letzte AfD-Wählerin ihre Karte bei ihm abheholt hatte. Friedrichstadt-Palast-Intendant Schmidt relativierte kurz darauf seine Aussagen. Sein Brief sei missverstanden worden: "Ich möchte niemanden ausgrenzen, sondern mich lediglich von Rassisten abgrenzen und meine Mitarbeiter schützen, die nicht deutsch aussehen, aber Deutsche sind." Vor der Nachmittagsvorstellung am 7. Oktober 2017 posierten Gläser und Schmidt schließlich versöhnlich vor der Kamera.
(Tagesspiegel / Berliner Morgenpost / Bild / sle)
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